Norbert Schiffer Hans Simon Ralf Neumeyer Luba Boschko
Unsere Vereinstrainer

Chronik der Karateabteilung


40 Jahre ist es nun her, daß in Neukirchen-Vluyn der erste Kiai (Kampfschrei) eines Karatekas zu hören war. Für die meisten Zeitgenossen waren damals die in weiß gekleideten, barfüßigen Karatekas wahrscheinlich genauso fremd, wie es ein grünes Männchen von einem anderen Stern gewesen wäre. Vor 35 Jahren konnte niemand ahnen, daß diese damals neue Abteilung des SV Neukirchen vom Rheinland- und Ruhrpokal angefangen, über die Landes- und Deutschen -Meisterschaften, bis hin zu den Australian-Open in Sydney sowie den Europa- und Weltmeisterschaften in den Siegeslisten vertreten sein sollte.

Auch von der Betrachtung der abteilungsseitig ausgerichteten Veranstaltungen hat die SV Neukirchen-Karateabteilung von der Sporthalle des Gymnasiums über die Gruga-Halle Essen bis hin zur Dortmunder Westfalenhalle sowie der Olympiahalle in München als Veranstaltungsausrichter alles vorzuweisen, was es an den größten Hallen in Europa sowie den größten Budo-Veranstaltungen in der Welt gibt. Doch wie hat dies seinerzeit alles in Neukirchen-Vluyn, dem Tauberbischofsheim des Karate, angefangen?

800 km pro Monat mit dem Fahrrad zum Training...

Bevor Abteilungsgründer Norbert Schiffer als damals erst 17jähriger Karateka diese Abteilung im März 1971 im SV Neukirchen gründete, begann er als 12jähriger 1965 mit dem Judosport. 1969 wechselte er zum damals noch wenig bekannten Karate über. Hier trainierte er in Duisburg unter Willi Kiel und auch unter dem späteren Nationaltrainer von Australien, dem zwischenzeitlich verstorbenen Ausnahmetechniker Frank F. Nowak. Zum Training in die Duisburger Stadtmitte fuhr Norbert Schiffer 4 x wöchentlich mit dem Drahtesel. So spulte er pro Training hin- und zurück 50 km ab. Dies machte Sommer- wie Wintertags pro Monat 800 km aus. Um speziell im Winter nicht bei Eis und Regen soviel mit dem Fahrrad fahren zu müssen, gründete er zusammen mit seinem zwischenzeitlich ebenfalls verstorbenen Trainingskameraden Manfred Kurz die SV Neukirchen-Karateabteilung. Von nun an brauchte man nur noch zweimal wöchentlich nach Duisburg radeln. An den anderen Wochentagen konnte man das Erlernte in der Halle der Neukirchen-Vluyner Dörpfeldschule aufarbeiten. Dies also war der ebenso simple wie pragmatische Grund dafür 1971 im SV Neukirchen eine Karateabteilung zu gründen. Zwischenzeitlich trainieren drei Generationen in der Abteilung. Anfangs waren es natürlich nur eine Handvoll Aktive, welche die Abteilung aufweisen konnte. Doch schon bald wuchs die Abteilung unter der ehrenamtlichen Trainerarbeit von Norbert Schiffer und Manfred Kurz im ersten Jahr auf stattliche 55 Mitglieder an. Auch heute noch dem Shotokan-Te verbundene Mitglieder der ersten Stunde sind z.B. K.H. Rogmann, Egon de Cloe, Jürgen Püttmann und Hans Vogt, nur um einige zu nennen. Von vielen Mitgliedern der Anfangszeit, wie z.B. Edgar Bochnig, Hans Vogt usw., trainieren zwischenzeitlich bereits deren Kinder in der SV Neukirchen-Karateabteilung.
Bei Egon de Cloe, der von der ersten Stunde an dabei war, trainieren heute sogar die Kindeskinder beim Shotokan-Te. Eine Tradition, welche wohl nur ganz wenige Karate-Vereine in Deutschland vorweisen können. Doch nun zurück zu den Anfängen, wobei wir bei der ersten Vereinsmeisterschaft 1972 sind, welche Jürgen Püttmann gewann.

Das erste Auto und der tragische Unfall...

Manfred Kurz hatte 1973 ein Auto und so konnte man gemeinsam auch zu anderen Lehrgängen fahren. Doch dieser Umstand währte nicht lange, hatte Manfred Kurz 1973 auf einer Fahrt von Duisburg kommend doch unverschuldet einen schweren Autounfall. Dabei kommt seine Verlobte ums Leben und er selbst erleidet schwerste Kopfverletzungen. Manfred fällt für die Trainingsarbeit in Neukirchen-Vluyn aus. Norbert Schiffer, gerade erst einmal 18 Jahre alt geworden, stand über Nacht völlig allein da. Manfred Kurz kehrt nicht mehr in die Abteilung zurück und stirbt Jahre danach an den Spätfolgen dieses Autounfalls.

Training bei japanischen Großmeistern ...

Da Trainer Norbert Schiffer erst mit 21 Jahren ein Auto hatte, galt es für ihn bis 1974 also wieder kräftig in die Pedalen zu
treten. Dabei wurde es für ihn immer schwieriger, qualifizierten Karateunterricht bei einem qualifizierten Trainer zu bekommen. Im Altkreis Moers gab es seinerzeit keinen einzigen Karate-Ausbilder. Duisburg fiel als Trainingsstation auch immer mehr aus. Dies, da Frank F. Nowak für zwei Jahre nach Japan gegangen war und anschließend als Nationaltrainer für Australien in Sydney verpflichtet wurde. So fuhr Norbert Schiffer in der Folgezeit nach Düsseldorf, um dort unter dem japanischen Großmeister Agio Nagai zu trainieren. Später, als er ein Auto hatte, trainierte er dann auch noch bei Bundestrainer Hideo Ochi in Bottrop sowie auf ungezählten Lehrgängen in ganz Deutschland.

Mehrfache Landestitel und Deutsche Meister ...

Neben etlichen Erfolgen auf Turnieren, wie z.B. Rheinlandpokal, Ruhrpokal etc. erkämpfte man bereits 1975 den ersten Landestitel in der Kata-Mannschafts- Unterstufe und heimste auf Anhieb sogar noch den Vize-Landes-Team-Titel ein. Die Teammitglieder Horst Danowski, Edgar Bochnig, Frank Seder, Jürgen Püttmann, K.H. Rogmann und Norbert Schiffer feierten gemeinsam mit dem zwischenzeitlich verstorbenen Bürgermeister Haastert am Klingerhuf eine großes Fest. Zwei andere Teams konnten diesen Erfolg in den Jahren 75/76 wiederholen. Neben vielen weiteren Erfolgen war in 1975 jedoch der erste Deutsche Meistertitel das herausragende Ereignis. Diesen gewann die SV Neukirchen-Karateabteilung bereits vier Jahre nach Gründung mit Bojo Putanek bei den Deutschen Kata-Jugendmeisterschaften in Verden an der Aller. Hierbei ließ man sämtliche Großstädte, wie z.B. München, Hamburg, Stuttgart und Berlin hinter sich! Damit nicht genug, belegte H.J. Stanitzek auch noch den 3. Platz in dieser DM-Kategorie.

Vizemeister im Dreiländerkampf...

Mit soviel Schwung ging es in das nächste Jahr, wo der gebürtige Jugoslawe Bojo Putanek beim Dreiländerkampf in Zürich in der Kata-Disziplin den 2. Platz für den SV Neukirchen holte. Einen Kata-Vize-Landes-Juniorenmeister sowie einen vierten Platz im Kumite (Freikampf) bei den Deutschen Juniorenmeisterschaften durch Edgar Bochnig stellten neben vielen anderen Pokalsiegen die Highlights des Jahres '76 dar. In 1976 - also vor genau 30 Jahren - wurde auch die SV Neukirchen-Kinder-Karate-Abteilung durch Trainer Norbert Schiffer gegründet. Aus dieser engagierten Kinderarbeit gingen so hervorragende Leistungsträger wie z.B. Seoung Sook Park und der spätere Mannschafts-Kata-Stil-Weltmeister Dirk Schauenberg hervor. 1976 ist auch das Jahr, in welchem Putanec, Rogmann, Schiffer das Qualifikationsturnier für die Kata-Team-Oberstufe gewinnen konnten.

Finalteilnehmer bei den Australien Open in Sydney...

Auf eigene Kosten reiste Norbert Schiffer 1977 nach Australien, um dort bei seinem Freund Frank F. Nowak in Sydney für ein Vierteljahr zu trainieren. Bei den Australien Open wird Schiffer in Sydney Finalteilnehmer. Die Erfahrungen von Australien spiegeln sich auch in den Ergebnissen der SV Neukirchen-Karateabteilung wieder. Hierbei gelingt es dem Shotokan-Te in 1977, den DM-Titel bei den Shotokan-International-Meisterschaften mit Marion Funke zu gewinnen. Trainer Norbert Schiffer wird dort bei den Männern im Kata Deutscher-Vizemeister. Darüber hinaus wird er von dem japanischen Großmeister Akio Nagai im Kata und im Kumite-Einzel auf die Starterliste der S.K.I. Europameisterschaften gesetzt, wo er bis ins Viertelfinale dieser EM kam.

Dominierende Erfolge in Technik und Kampf...

Ende der 70er Jahre verfügte die Abteilung über mehr als 260 Mitglieder und zugleich über die größte Karate-Kinder-Abteilung in Deutschland. Kein Wunder also, daß die erste Landes-Kindermeisterschaft in der Geschichte des deutschen Karate 1980 in Neukirchen-Vluyn stattfindet. Bei den Junioren gelingt es u.a. Thorsten Kraft, den Landesjunioren-Vize-Titel im Freikampf zu erkämpfen. Er mußte sich damals nur von dem späteren World-Games-Champion Jörg Reuß aus Krefeld, geschlagen geben. Ebenfalls aus der Jugendabteilung von Norbert Schiffer kommend, präsentierte sich Ralf Wintergerst mehr und mehr als Ausnahme-Karateka, der sowohl im Kata als auch im Kumite zu bestechen weiß. Auf der weiblichen Seite räumte in den späten 70ern und Anfang der 80er im Kata bei den Damen Marion Funke nahezu alles an Pokalturnieren (Ruhrpokal, Siebengebirgspokal, Seidenstadtpokal etc. sowie Jugend- und Junioren-Landestitel) ab, was es hier nur zu gewinnen gab. Auf der männlichen Seite tut dies Ralf Wintergerst für den Shotokan-Te in bestechender Form. Und dies im Kata und im Kumite.

David gegen Goliath...

Neukirchen-Vluyn gegen Sydney und zweiter DM-Titelgewinn

1981 richtet die SV Neukirchen-Karateabteilung zu ihrem 10-jährigen Bestehen den DKV-Länderkampf gegen Belgien aus. Darüber hinaus findet in diesem Rahmen ein Kumite-Freikampf Freundschaftskampf zwischen Sydney und Neukirchen-Vluyn statt. Der Shotokan-Te mit Ralf Wintergerst, Thorsten Kraft und Gaststarter Jörg Reuß aus Krefeld, konnte dieses Städtevergleichsturnier gewinnen! Neben etlichen Landestiteln gewinnt der Shotokan-Te 1981 auch die Deutsche Jugendmeisterschaft mit Marion Funke, Heike Gralla und Gaststarterin Anita Gütgemann. Im Freikampf wird Ralf Wintergerst zudem Deutscher Junioren-Vizemeister.

Auf nach Japan...

Um mit der Karateabteilung den Durchbruch auf Europa- und Weltebene zu schaffen, reiste Trainer Norbert Schiffer 1982 wiederum auf eigene Kosten nach Japan. Dort trainierte er für ein Vierteljahr bei der Japan-Karate-Association in Tokyo unter dem zwischenzeitlich verstorbenen Chefausbilder Prof. Masatoshi Nakayama sowie im Tempeldojo von Großmeister Norihito Ida. Zurückgekommen, lassen die nächsten Erfolge nicht auf sich warten. Ralf Wintergerst holt neben etlichen Landestiteln im Kata und Kumite sowie DM-Kumite Juniorentiteln auf Bundesebene den 3. Platz bei den Senioren in der Freikampf All-Kategorie.

Wintergerst bei den Weltmeisterschaften in Kairo und Mexico

Um im Freikampf bessere Kampfpartner und eine optimale Förderung zu haben, startete Ralf Wintergerst in den Folgejahren für Köln. Dort holte er unter dem Bundestrainer des Deutschen Karate-Verbandes Horst Handel Insgesamt vier DM-Titel im Kumite-Freikampf in die Domstadt. Darüber hinaus wird er bei den Weltmeisterschaften in Kairo und Mexiko im Freikampf sowohl im Einzel als auch in der Nationalmannschaft eingesetzt. Bei den Europameisterschaften in Wien wird Wintergerst im Einzel ebenso Dritter im Freikampf wie bei den World-Games in Karlsruhe.

Der Dritte DM-Gewinn bei der Jugend...

Nachdem die SV Neukirchen-Karate-Abteilung bereits 1975 die Deutsche Jugend-Einzelmeisterschaft (Herren) und 1981 die Mannschaftsjugendmeisterschaft bei den Mädchen gewonnen hatte, komplettierte man diese herausragenden Jugenderfolge 1984, indem man mit Ralf Neumeyer, Rafael Pilzek und Andreas Neubauen ebenfalls Deutscher-Kata-Jugend-Mannschaftsmeister werden konnte. An diese Jugenderfolge konnte in den Folgejahren leider nicht mehr angeknüpft werden. Dafür rückten bei den Damen Seoung Sook Park und bei den Herren Dirk Schauenberg (beide aus der Kinder- und Jugendarbeit von Trainer Norbert Schiffer kommend) im Junioren- und Seniorenbereich nach.

Internationaler Niederrheinpokal und 1. BUDO-GALA mit TV-Übertragung...

1988 findet in Neukirchen-Vluyn mit über 600 Startern der 1. Internationale Niederrheinpokal statt. Sehr gut in Szene setzen konnten sich bei diesem Turnier auch die Neukirchener Stefan Hausch und Dirk Grebbin im Freikampf. Gleichzeitig richtete die SV Neukirchen-Karateabteilung auch die von Norbert Schiffer veranstaltete BUDO-GALA aus, wobei diese Veranstaltung im 3. Fernsehprogramm gezeigt wurde. In den Folgejahren fand diese von Norbert Schiffer veranstaltete und von der SV Neukirchen Shotokan-Te ausgerichtete BUDO-GALA in der Essener Gruga-Halle, der Dortmunder Westfalenhalle, der Frankfurter Festhalle und der Olympia-Halle in München statt. Im Spitzenergebnis wurden dabei allein in 1994 über 32.000 Live-Zuschauer sowie bundesweite TV-Ausstrahlungen und TV-Sendungen in Europa, Kanada und den USA realisiert. Bei vielen Veranstaltungen waren Mitglieder der Karateabteilung im Vorführungsbereich integriert.

Weltmeisterschaft in Calgary...

Bereits Ende der 70er Jahre wurde Dirk Schauenberg als siebenjähriger Mitglied der SV Neukirchen-Karateabteilung und von Trainer Norbert Schiffer optimal trainiert und gefördert. Bei den Mädchen trat 1984 Seoung Sook Park in den Shotokan-Te ein. Bis Mitte der 90er Jahre kämpfte sich Seoung Sook Park bei den Damen und Dirk Schauenberg bei den Herren über etliche Landestitel an die bundesdeutsche Kata-Leistungsspitze. Obwohl Dirk Schauenberg im Senioren-Einzel auf Bundes- und internationaler Ebene keine Erstplazierungen erreichen konnte, war er doch im Teamgefüge der Nationalmannschaft erfolgreich. Dritte, vierte und sechste Plätze bei den Kata-Team-Europameisterschaften sowie der WM Kata-Mannschafts-Stil-Titelgewinn 1991 in der Disziplin Shotokan im kanadischen Calgary waren die herausragendsten Ergebnisse, die er in knapp 20jähriger Mitgliedschaft als SV Neukirchen-Karateka bis 1995 erzielte. Im Jahre 1995 stieß dann ein Mann als Trainer zum Shotokan-Te, der bereits beim Städtevergleichskampf 1981 gegen Sydney für die SV Neukirchen-Karateabteilung startete. Sein Name: Jörg Reuß. Der Krefelder, der zwischenzeitlich Kata-Junioren-Vize-Europameister sowie Kumite-Freikampf-Europameister werden konnte, war zu einem der weltweit besten Karatekas avanciert. Bei den World-Games unter IOC-Präsident Antonio Samaranch gelang es ihm 1989 in Karlsruhe, Kumite-Freikampf-World-Games-Champion in der Einzelwertung zu werden. In Philadelphia (USA) wurde er 1994 Shotokan-Team-Weltmeister. Gemeinsam mit Norbert Schiffer, Petra Witte, Ralf Neumeyer und Hans Simon trainierte er 2 Jahre die Shotokan-Te SV Neukirchen-Karateabteilung.
Heute besteht das Trainer-Team aus Norbert Schiffer, Hans Simon, Ralf Neumeyer und Luba Boschko, die aus der Kindergruppe der Karateabteilung hervorging.